Stephen King – Der Dunkle Turm

Vor einiger Zeit schon las ich die Fantasy-Reihe „Der Dunkle Turm“ von Stephen King.

Dieser Zyklus in sieben Bänden ist eine absurde, aber faszinierende Mischung aus Fantasy, Science-Fiction, Horror, Liebesroman und Western und war für mich ein absolutes Novum – betreffend den Bereich King-Literatur, sowie einen derartigen Genremix.

Die sieben Bände zu je 500-1000 Seiten begleiten den letzten Revolvermann Roland Deschain auf seiner schon mehrere Jahrhunderte(!) andauernden Reise. Er befindet sich auf der Suche nach dem dunklen Turm, einem mysteriösen Gebäude, welches die verbliebene Energie des gesamten langsam zerbröckelnden Universums bündelt. Roland weiß, dass im obersten Stockwerk des Turmes die Antwort auf seine gesamte Existenz liegt und ist deswegen seit jeher besessen davon, diesen zu erreichen.
Auf seinem Weg trifft er auf drei Menschen, die durch mysteriöse magische Türen aus einem Parallel-Universum (das wir als die uns bekannte Welt erkennen) in Rolands Welt gelangen: der Dogenjunkie Eddie, der kleine Junge Jake und die schizophrene Detta/Odetta/später Susannah. Es stellt sich heraus, dass die vier ein Ka-Tet bilden, also eine durch das Schicksal verbundene Gemeinschaft. Gemeinsam ziehen sie los, um sich den Abenteuern der fremden Welt zu stellen und Roland auf seiner langen Suche nach dem dunklen Turm zu begleiten…

Die gesamte Geschichte des Turm-Zyklus umfassend erzählen zu wollen, würde viele tausend Wörter in Anspruch nehmen.
In jedem Band erfahren wir mehr über die Geschichte Rolands und seiner Welt: sie ist dabei, auseinander zu brechen, denn die einst so hoch entwickelte Zivilisation ist außer Kontrolle geraten. Die Technik wendet sich gegen die Menschen, sei es durch mordlustige Fernverkehrszüge, kinderfressende Roboter-Reiter oder fehlprogrammierte ferngesteuerte Wächter-Wesen. Und gleichzeitig versiegt die Energie des Universums, alles droht in die ewige Dunkelheit zu fallen.
Auch über Susannah, Jake und Eddie und deren Geschichten klärt uns die Turm-Reihe nach und nach auf. Wir erfahren, dass sie zwar alle aus dem gleichen Universum, aber aus unterschiedlichen Zeiten stammen. Und sie alle tragen ein schweres Schicksal, jedoch auch eine Aufgabe in sich, weswegen sie in Rolands Welt kamen.
Das Ka-Tet hat wahrlich keinen leichten Start, findet sich jedoch nach und nach zusammen und wird zu einer unbezwingbaren Einheit. Die vier durchreisen die Welt, geraten in zahlreiche Gefahren. Zwischendurch bietet uns der vierte Band „Glas“ einen umfassenden Einblick in Rolands Vergangenheit und seine große Liebe Susan Delgado und erklärt uns, warum Roland so geworden ist, wie er ist und was das Motiv seines Handelns ist.
Und am Ende – der Leser hat es schon fast nicht mehr für möglich gehalten – gelangt er wirklich zum dunklen Turm.

Stephen King schafft es, den Leser mit der Schilderung der Abenteuer des Ka-Tets um Roland in diesem so fantastischen postapokalyptischen Szenario so in seinen Bann zu ziehen, dass dieser nach rund 6000 Seiten erstaunt aufblickt und sich fragt: „Wie – Das war’s schon?“
Das Ende ist nicht weniger absurd als der Rest der Geschichte – es lässt den Leser absolut ratlos zurück und erklärt doch trotzdem alles. Ein eindrucksvolleres Ende einer solchen Mega-Romanreihe hätte ich mir nicht vorstellen können.

Absolut überragend ist zudem King’s Charaktererschaffung. Die Figuren in „Der Dunkle Turm“ erscheinen absolut authentisch. Sie entwickeln sich im Laufe der Geschichte, werden dem Leser immer vertrauter und geliebter. Auch das Zusammenspiel entwickelt sich zunehmend. Was dabei herauskommt, ist ein mitreißendes, spannendes Abenteuer mit absolut glaubhaften und authentischen Figuren, die den Leser immer wieder überraschen.

Rolands Suche nach dem dunklen Turm erinnert meiner Meinung nach in der Motivik an die immer wieder thematisierte Suche nach dem Sinn des Lebens. Das oberste Stockwerk des Turmes birgt die Antwort auf alles in sich, die Lösung der Existenzfrage. Roland erreicht den Turm wirklich, und ja, er schafft es sogar ins Zimmer im obersten Stockwerk. Doch was wird sich ihm dort wohl zeigen?

„Der Dunkle Turm“ ist jedem zu empfehlen, der sich nicht vor umfangreichen Romanreihen scheut und offen für eine Lektüre ist, die sich in keine Schublade einordnen lässt. Ich habe mehrere Monate mit Roland und seinem Ka-Tet verbracht und nebenher wirklich rein gar nichts anderes gelesen. Doch es hat sich gelohnt.
Der Zyklus bietet jedem Geschmack etwas: ganz große Liebesgeschichten, Action, Magie und Dämonen, Reisen durch Zeit und Raum, Philosophie, Marvel-Comics, Gesellschaftskritik, Mafia, Horror, postapokalyptische Welten, Wilder Westen, Intertextualität an jeder Ecke, Vampire, viel Humor, noch mehr Spannung und vieles, vieles mehr.

Wie ich mitbekommen habe, ist inzwischen sogar ein achter Band erschienen – „Wind“ -, welcher thematisch zwischen Band 4 und 5 liegt. Eigentlich finde ich es unnötig, noch einen weiteren Inhaltsschub in die ohnehin schon sehr umfangreiche Story zu quetschen. Doch wer weiß – auch wenn man denkt, in einer Romanreihe sei alles gesagt und erlebt worden, Stephen King könnte dem wahrlich noch eins draufgesetzt haben.

Quellen:
Bild 1: http://wiki.stephen-king.de/images/8/82/Fiktivtitel.jpg
Bild 2: http://wiki.stephen-king.de/images/4/43/Roland_am_Westlichen_Meer.jpg

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