Jahresabschluss und Blick nach vorn

Zunächst einmal muss ich mir eingestehen, dass ich dieses Jahr in diesem Blog viel zu wenig geschrieben habe!

Zur Entschuldigung: das Jahr 2014 war sehr ereignisreich und das Leben hat mich nur selten mal aus seinen Fängen gelassen – wofür ich sehr dankbar bin.
Ich habe mein Bachelorstudium beendet (yay!) und meinen Führerschein gemacht (besser spät als nie!). Ich bin umgezogen und habe tolle neue Menschen kennen gelernt.
Nebenher wurde natürlich auch gelesen. Da ich nicht dazu gekommen bin, über die Bücher zu schreiben, hier eine kleine Liste der Titel, die ich in den vergangenen Monaten gelesen habe:

  • George R. R. Martin – Das Lied von Eis und Feuer (Band 7-10; endlich bin ich auf dem aktuellen Stand)
  • Walter Moers – Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär (Moers <3)
  • Timur Vermes – Er ist wieder da (nicht zu Ende gelesen; am Anfang interessant, doch die Story erschöpft sich nach einiger Zeit)
  • Jehan Sadat – Ich bin eine Frau aus Ägypten (die absolut faszinierenden und lesenswerten Memoiren einer starken Frau)
  • Anthony McCarten – funny girl (unterhaltsamer, kritischer Titel über eine junge Muslima in Großbritannien, die Comedian werden möchte)
  • Tana French – Schattenstill (mitreißender Krimi in schauriger Bauruinen-Atmosphäre)
  • Anna Gavalda – Zusammen ist man weniger allein (eine leise, zarte und wunderschöne Lebens-/Liebesgeschichte)
  • Jan Costin Wagner – Tage des letzten Schnees (Hörbuch; nachdenklicher, intensiv geschriebener Krimi)

Alles tolle Bücher, über die ich gerne noch das eine oder andere Wort schreiben würde. Ich hoffe, dass ich 2015 dafür die Gelegenheit bekomme.

Doch auch für das neue Jahr habe ich mir schon ein ehrgeiziges Lese-Ziel gesetzt. Es geht um diese Liste (draufklicken für Großansicht):

2015 Reading Challenge

In dieser Liste, der „2015 Reading Challenge“, geht es darum, 50 möglichst unterschiedliche Bücher in einem Jahr zu lesen. Beispielsweise ein Buch, welches älter als 100 Jahre ist, eines, in dem Magie vorkommt, eine Trilogie oder auch ein Titel, der in der Heimat spielt.
Mit den Büchern, die ich momentan lese/höre, mache ich schon einen guten Anfang:

Ich höre: Ken Follett – Sturz der Titanen (Der erste Teil der Trilogie Die Jahrhundert-Saga) (Edit: leider nicht zu Ende gehört :/ )
Und ich lese: Monika Küble/Henry Gerlach – In Nomine Diaboli (Ein Mittelalter-Krimi aus meiner Heimatstadt)

Ganz sicher werde ich nicht alle 50 Vorgaben erfüllen können – da ich eher zu den Langsam-Leserinnen gehöre, die sich für Bücher viel Zeit nehmen, werde ich schon allein mit dem hohen Pensum von 50 (!) Titeln so meine Probleme bekommen. Doch vielleicht lässt sich ja etwas Schummeln – schließlich können auf ein Buch ja auch durchaus auch mehrere Punkte auf der Liste zutreffen… ;-)

Wie dem auch sei, ich wünsche euch allen einen guten Rutsch und viel Erfolg, Gesundheit und Spaß im neuen Lese-Jahr 2015!

David Kirk – Rônin

David Kirk - Ronin

„Rônin – Das Buch der Vergeltung“ von David Kirk erzählt den ersten Teil der Geschichte von Bennosuke, dem dreizehnjährigen Sohn des berühmten Samurai Munisai Hirata.
Bennosuke lebt allein im großen Haus seines Vaters, abgeschnitten vom Rest der Dorfgemeinschaft. Seine einzige Aufgabe besteht darin, die Rüstung seines Vaters, solange dieser nicht zu Hause ist, zu pflegen. Und Munisai ist schon lange fort. Er kämpft für seinen Fürsten in unzähligen Schlachten, steht ihm zur Seite – seit acht Jahren bereits.
Doch eines Tages kehrt Munisai zurück. Das Verhältnis von Vater und Sohn ist nicht besonders leicht – Bennosuke ist schmächtig, oftmals fehlt ihm das Selbstbewusstsein. Doch sein Vater nimmt keine Rücksicht, er will den Jungen mit aller Härte zum Krieger ausbilden. Und dieser enttäuscht ihn nicht: aus Bennosuke wird nach und nach ein meisterhafter Schwertmeister.
Als schließlich Munisai zum Seppuku, dem Ehrentod, gezwungen wird, hat Bennosuke nur ein Ziel: den Mord an seinem Vater zu rächen.

„Rônin“ ist ein weitestgehend fiktiver Roman, der im Japan des 16. Jahrhunderts spielt. Die Geschichte Bennosukes ist jedoch eine Adaption der Lebensgeschichte des wohl berühmtesten Samurai Japans, Miyamoto Musashi. David Kirk schafft es, durch präzise Kenntnisse der japanischen Geschichte und Kultur, dieser historischen Figur Leben einzuhauchen und den Leser in eine spannende und faszinierende Welt zu entführen. Die Darstellung und Erläuterung zahlreicher japanischer Traditionen und Rituale macht das Buch authentisch und lehrreich.
Die Sprache des Erzählers ist kühl, ruhig und distanziert und steht damit oftmals in Kontrast mit dem Erzählten, welches viel Brutalität und Gewalt beinhaltet. Dieser Kontrast zwischen Sprache und Erzähltem spiegelt das Wesen der Samurai-Tradition wieder und sorgt für eine angemessene Atmosphäre im Roman.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, in den doch teilweise etwas trockenen Text hineinzukommen, hat mich der Roman schnell fasziniert. Wer sich für die japanische Kultur des 16. Jahrhunderts interessiert (oder interessieren lassen möchte) und nicht zurückschreckt vor historischen Details und blutigen Szenen, für den ist „Rônin“ sicherlich geeignet.

„Rônin – Das Buch der Vergeltung“ habe ich für vorablesen.de rezensiert.
Das Buch erschien im rowohlt-Verlag, hat 471 Seiten und kostet in der Taschenbuchausgabe 14.99€.

Bild: http://www.jpc.de/image/w600/front/0/9783499253294.jpg

Stephen King – Der Dunkle Turm

Vor einiger Zeit schon las ich die Fantasy-Reihe „Der Dunkle Turm“ von Stephen King.

Dieser Zyklus in sieben Bänden ist eine absurde, aber faszinierende Mischung aus Fantasy, Science-Fiction, Horror, Liebesroman und Western und war für mich ein absolutes Novum – betreffend den Bereich King-Literatur, sowie einen derartigen Genremix.

Die sieben Bände zu je 500-1000 Seiten begleiten den letzten Revolvermann Roland Deschain auf seiner schon mehrere Jahrhunderte(!) andauernden Reise. Er befindet sich auf der Suche nach dem dunklen Turm, einem mysteriösen Gebäude, welches die verbliebene Energie des gesamten langsam zerbröckelnden Universums bündelt. Roland weiß, dass im obersten Stockwerk des Turmes die Antwort auf seine gesamte Existenz liegt und ist deswegen seit jeher besessen davon, diesen zu erreichen.
Auf seinem Weg trifft er auf drei Menschen, die durch mysteriöse magische Türen aus einem Parallel-Universum (das wir als die uns bekannte Welt erkennen) in Rolands Welt gelangen: der Dogenjunkie Eddie, der kleine Junge Jake und die schizophrene Detta/Odetta/später Susannah. Es stellt sich heraus, dass die vier ein Ka-Tet bilden, also eine durch das Schicksal verbundene Gemeinschaft. Gemeinsam ziehen sie los, um sich den Abenteuern der fremden Welt zu stellen und Roland auf seiner langen Suche nach dem dunklen Turm zu begleiten…

Die gesamte Geschichte des Turm-Zyklus umfassend erzählen zu wollen, würde viele tausend Wörter in Anspruch nehmen.
In jedem Band erfahren wir mehr über die Geschichte Rolands und seiner Welt: sie ist dabei, auseinander zu brechen, denn die einst so hoch entwickelte Zivilisation ist außer Kontrolle geraten. Die Technik wendet sich gegen die Menschen, sei es durch mordlustige Fernverkehrszüge, kinderfressende Roboter-Reiter oder fehlprogrammierte ferngesteuerte Wächter-Wesen. Und gleichzeitig versiegt die Energie des Universums, alles droht in die ewige Dunkelheit zu fallen.
Auch über Susannah, Jake und Eddie und deren Geschichten klärt uns die Turm-Reihe nach und nach auf. Wir erfahren, dass sie zwar alle aus dem gleichen Universum, aber aus unterschiedlichen Zeiten stammen. Und sie alle tragen ein schweres Schicksal, jedoch auch eine Aufgabe in sich, weswegen sie in Rolands Welt kamen.
Das Ka-Tet hat wahrlich keinen leichten Start, findet sich jedoch nach und nach zusammen und wird zu einer unbezwingbaren Einheit. Die vier durchreisen die Welt, geraten in zahlreiche Gefahren. Zwischendurch bietet uns der vierte Band „Glas“ einen umfassenden Einblick in Rolands Vergangenheit und seine große Liebe Susan Delgado und erklärt uns, warum Roland so geworden ist, wie er ist und was das Motiv seines Handelns ist.
Und am Ende – der Leser hat es schon fast nicht mehr für möglich gehalten – gelangt er wirklich zum dunklen Turm.

Stephen King schafft es, den Leser mit der Schilderung der Abenteuer des Ka-Tets um Roland in diesem so fantastischen postapokalyptischen Szenario so in seinen Bann zu ziehen, dass dieser nach rund 6000 Seiten erstaunt aufblickt und sich fragt: „Wie – Das war’s schon?“
Das Ende ist nicht weniger absurd als der Rest der Geschichte – es lässt den Leser absolut ratlos zurück und erklärt doch trotzdem alles. Ein eindrucksvolleres Ende einer solchen Mega-Romanreihe hätte ich mir nicht vorstellen können.

Absolut überragend ist zudem King’s Charaktererschaffung. Die Figuren in „Der Dunkle Turm“ erscheinen absolut authentisch. Sie entwickeln sich im Laufe der Geschichte, werden dem Leser immer vertrauter und geliebter. Auch das Zusammenspiel entwickelt sich zunehmend. Was dabei herauskommt, ist ein mitreißendes, spannendes Abenteuer mit absolut glaubhaften und authentischen Figuren, die den Leser immer wieder überraschen.

Rolands Suche nach dem dunklen Turm erinnert meiner Meinung nach in der Motivik an die immer wieder thematisierte Suche nach dem Sinn des Lebens. Das oberste Stockwerk des Turmes birgt die Antwort auf alles in sich, die Lösung der Existenzfrage. Roland erreicht den Turm wirklich, und ja, er schafft es sogar ins Zimmer im obersten Stockwerk. Doch was wird sich ihm dort wohl zeigen?

„Der Dunkle Turm“ ist jedem zu empfehlen, der sich nicht vor umfangreichen Romanreihen scheut und offen für eine Lektüre ist, die sich in keine Schublade einordnen lässt. Ich habe mehrere Monate mit Roland und seinem Ka-Tet verbracht und nebenher wirklich rein gar nichts anderes gelesen. Doch es hat sich gelohnt.
Der Zyklus bietet jedem Geschmack etwas: ganz große Liebesgeschichten, Action, Magie und Dämonen, Reisen durch Zeit und Raum, Philosophie, Marvel-Comics, Gesellschaftskritik, Mafia, Horror, postapokalyptische Welten, Wilder Westen, Intertextualität an jeder Ecke, Vampire, viel Humor, noch mehr Spannung und vieles, vieles mehr.

Wie ich mitbekommen habe, ist inzwischen sogar ein achter Band erschienen – „Wind“ -, welcher thematisch zwischen Band 4 und 5 liegt. Eigentlich finde ich es unnötig, noch einen weiteren Inhaltsschub in die ohnehin schon sehr umfangreiche Story zu quetschen. Doch wer weiß – auch wenn man denkt, in einer Romanreihe sei alles gesagt und erlebt worden, Stephen King könnte dem wahrlich noch eins draufgesetzt haben.

Quellen:
Bild 1: http://wiki.stephen-king.de/images/8/82/Fiktivtitel.jpg
Bild 2: http://wiki.stephen-king.de/images/4/43/Roland_am_Westlichen_Meer.jpg

Berger/Holler – Liköre & Ansatzschnäpse selbst gemacht

liköre/ansatzschnäpse

In diesem Eintrag widme ich mich einem Sachbuch, welches ich im Frühjahr 2013 in der Buchhandlung Osiander in Konstanz erstand. Es handelt sich hier um Liköre & Ansatzschnäpse selbst gemacht, ein Rezeptbuch für verschiedenste Liköre und Ansatzschnäpse und wurde herausgegeben von Franz Severin Berger und Christiane Holler.

Mittlerweile bin ich glücklicherweise dazu gekommen, einige der Rezepte auszuprobieren. Viele der Ansätze brauchen viel Licht und Wärme, und das Jahr 2013 hat uns leider bis vor ca. einem Monat mit beidem nicht wirklich verwöhnt.

Das Buch startet mit der „Wahrheit über den Zaubertrank des Miraculix“, einer kurzen und unterhaltsamen Einführung in die Geschichte des Likörs. Die/der LeserIn lernt hier, dass schon die Kelten die enthemmende und mitunter halluzinogene Wirkung starken Alkohols liebten und auch nutzten: sie legten Früchte und Kräuter in Hochprozentigem ein und brauten daraus Tränke, die sie vor kämpferischen Auseinandersetzungen zu sich nahmen.
Hier wird auf humorvolle Art und Weise eine Parallele zu den allseits bekannten Asterix und Obelix Comics gezogen, in welchen der Druide Miraculix vor jedem Kampf einen Zaubertrank braute, der die Gallier stark und furchtlos werden ließ.

Dieser lockeren Lehrstunde folgen einige grundlegende Informationen zur heimischen Likörerzeugung – Angaben über benötigtes Geschirr, Gefäße, Rohstoffe und Vorgehensweise. Dank dieser Einführungen kann wirklich jedeR LeserIn sofort in die Produktion einsteigen, was ich als sehr hilfreich empfinde.

Im Rest des Buches finden sich rund 50 verschiedene Rezepte zu Likören aus Früchten, Beeren, Kräutern, Gewürzen und Blüten, sowie einige Klassiker-Rezepte wie Magenbitter oder Zitronenwodka.

Am Ende findet zudem jedeR, der/die die heimische Likörproduktion genau auf die Jahreszeiten abstimmen möchte und Wert auf frische, optimale Ansatz-Rohstoffe legt, einen ausführlichen Ernte- und Ansatzkalender.

Die Rezepte im Buch sind sehr ausführlich beschrieben und geben zudem immer auch nützliches Wissen über den jeweiligen Rohstoff weiter. Bei der Verwendung von Bildern wurde leider etwas gespart. Die vorhandenen Abbildungen sind jedoch sehr hübsch und ausdrucksstark.
Die Ansatz-Mischungen werden stets mit verschiedenen Gewürzen und Zuckerarten verfeinert. Dabei ermuntern die Autoren jedoch immer, auch mit eigenen Aroma-Mischungen zu experimentieren.

Selbst angesetzt habe ich bisher einen Himbeer- (Bild unten) und einen Rhabarber-Likör. Mit den Ergebnissen bin ich sehr zufrieden und werde auf jeden Fall noch weitere Rezepte ausprobieren.

Dennoch empfehle ich jeder ambitionierten Kräuterhexe, sich in der Likör-Erzeugung nicht nur auf dieses Rezeptebuch zu beziehen. Die Rezepte von Berger/Holler spiegeln meiner Meinung nach die Fülle an möglichen Aromatisierungen nicht vollkommen ab, sondern spezialisieren sich auf Grundrezepte. Für den Einstieg ist dies sehr hilfreich, doch wer sich an etwas abwechslungsreicheren Mischungen wie Feige-Sahne, Amarettini-Kirsch oder Tannen-Honig-Likör ausprobieren möchte, sollte auch andere Quellen zu Rate ziehen.

Interessante und vielfältige Rezepte finden sich zum Beispiel in
– Hess, Reinhardt (2008): Liköre und Rumtopf. GU-Verlag, München
– Dr. Oetker (2008): Liköre. Dr. Oetker-Verlag, Bielefeld

…oder ganz simpel auf http://www.chefkoch.de. ;-)

 

Likör

Buch: Berger, Franz Severin/Holler, Christiane (2012): Liköre & Ansatzschnäpse selbst gemacht. Bassermann, Verlag, München.
Coverbild oben entnommen von: http://www.buecher.de (http://bilder.buecher.de/produkte/34/34510/34510939z.jpg)
Bild unten: Privat